Das Hormon Melatonin |
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MELATONIN ALLGEMEIN Melatonin wird hauptsächlich in spezialisierten Nervenzellen (Pinealozyten)
einer kleinen, etwa erbsengroßen Drüse mitten im Zentrum
des Gehirns gebildet. Da die Form dieses inkretorischen Organs an einen
Kiefernzapfen erinnert, erhielt es den Namen Zirbeldrüse (weiters
heisst es Epiphyse, Glandula pinealis oder Corpus pineale) . Melatonin
wird auch in den Fotorezeptoren enthaltenden Zellen der Netzhaut des
Auges (Retina) synthetisiert. Im Laufe der Entwicklungsgschichte (Evolution)
hat sich zwischen dem Auge (Retina) und der Zirbeldrüse (Corpus
pineale) eine komplizierte nervale Verbindungskaskade etabliert, durch
welche die Epiphyse letztlich noradrenerg innerviert wird. In der Zirbeldrüse wird die Aminosäure Melatonin aus den Zirbeldrüsenausscheidungen Tryptophan, einer Aminosäure, und Serotonin, einem Botenstoff oder Neurotransmitter synthetisiert und in einem zirkadianem Rhythmus (tagesrhythmische Schwankungen von biologischen Funktionen) von der Zirbeldrüse in das Blut abgegeben. Es verteilt sich anschließend auf dem Blutweg im ganzen Körper. Melatonin findet sich beim Menschen, bei Tieren, Pflanzen und sogar bei einzelligen und stammesgeschichtlich sehr alten Algen. Durch den Lichteinfall auf die Netzhaut wird über Nevenfasern
die Zirbeldrüse des Gehirns (Epiphyse) und damit die Ausscheidung
dieses Hormons gesteuert. Melatonin wird bei Dunkelheit gefördert
und bei Licht in seiner Ausscheidung gehemmt. Im Morgengrauen und während
des Tages wird wenig Melatonin gebildet, in der Dämmerung und in
der Nacht hingegen kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung. Die Zirbeldrüse herrscht während unseres ganzen Lebens über
das gesamte endokrine Drüsensystem, das seinerseits Hormone produziert,
die für alle unsere Körperfunktionen verantwortlich sind.
Als intelligente Drüse, die das Richtige zur richtigen Zeit tut,
und zwar schnell und gründlich, steuert sie die Tätigkeit
anderer Drüsen und kontrolliert dadurch die Tätigkeit jeder
einzelnen Körperzelle. Bei Säuglingen, die dem plötzlichen Kindestod erlegen sind, hat man abnorm niedrige Melatoninkonzentrationen im Blut und Liquor cerebrospinalis festgestellt. Bis das Kind etwa 7 Jahre alt ist, steigt der Melatoninspiegel stetig an. Dabei veranlaßt das Melatonin während der Schlafphasen die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) das Wachstumshormone auszuschütten. Bei Kleinkindern findet der stärkste Wachstumsschub dann statt, wenn sie am häufigsten schlafen, von der Geburt bis zu etwa 3 Jahren. Bis zu Beginn der Pubertät kommt es zu einem Absinken des Melatoninspiegels und dieser führt zu einer erhöhten Ausschüttung der luteinisierenden und follikelstumulierenden Hormone, die die eigentliche Pubertät auslösen. Bei Knaben führt dies zur Samenproduktion, bei Mädchen zum Beginn des Menstruationszyklus. Nach Abschluß der Pubertät beginnt die Melatoninproduktion langsam und stetig nachzulassen. Im Alter von etwa 45 Jahren findet das abrupteste Absinken des Melatoninspiegels statt. Mit zunehmendem Alter fällt die Sekretionsleistung der Ovarialhormone, des Wachstumshormons, des DHEA-S , des Prolaktins sowie des Melatonins stark ab, so dass es beim Menschen wie bei allen Säugetieren zu einer Abnahme der nächtlichen Melatoninspiegel kommt.. Bei Frauen beginnen dann meist die Wechseljahre, Männer bleiben wohl weiterhin fruchtbar, jedoch sinkt die Sexualfunktion merklich ab. Die Zirbeldrüse bringt nicht mehr genug Melatonin in den Umlauf und dadurch wird der eigentliche Alterungsprozeß eingeleitet. Im Senium ist praktisch kein zirkadianer Rhythmus mehr meßbar.
Der Organismus verliert nach und nach Energie und kann sich nicht mehr so schnell an seine Umgebung anpassen. Die sich daraus ergebenden negativen Folgeerscheinungen können eine Erklärung dafür sein, wieso gerade in den Industrieländern in den vergangenen 30 Jahren bestimmte degenerative Krankheiten unverhältnismäßig stark angestiegen sind, wie Immunschwäche, bestimmte Krebserkrankungen, wie Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern, Kreislauf- und Herzerkrankungen, Gefäßerkrankungen, Arthritis und andere rheumatische Erkrankungen, sowie Allergien, Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen und andere Alterserkrankungen. Abendliches Fasten dagegen erhöht die Melatoninproduktion. Nahrungsmittel wie Tomaten, Gurken, Bananen, Rettiche, Kiwis, Karotten, Nüsse und einige Heilpflanzen enthalten Melatonin, jedoch in einem so gerigen Grad, daß die Zufuhr durch diese Nahrungsmittel nicht wirklich in wirksamen Dosen möglich ist. MELATONIN UND DIE BIOLOGISCHE UHR DES MENSCHEN Bei Licht produziert die Zirbeldrüse Serotonin, einen Stoff, der
uns wach hält. Bei Dunkelheit beginnt sie mit der Melatoninproduktion,
wodurch man sich müde fühlt. Man wird auf den Schlaf vorbereitet.
Die Herzfrequenz und die Verdauung verlangsamen sich, die Körpertemperatur
und der Blutdruck sinken. Wenn helles Tageslicht auf die Netzhaut fällt,
wird die Melatoninbildung sofort eingestellt. Im Winter gibt es aufgrund der längeren Dunkelperioden längere nächtliche Melatoninsekretionsphasen. Die damit bedingten saisonalen Rhythmen sind vor allem bei Tieren bekannt und betreffen Winterschlaf, Fell-, Haarwechsel, Östrus usw. Die Tiere werden als photoperiodische Spezies bezeichnet. Durch Dunkelhaltung, veränderte Belichtung und Melatoningabe gelingt eine frühere Konzeption bei Schafen oder Pferden oder früheres Ansetzen des Winterpelzes bei Nerzen. Die Epiphyse spielt beim Flug der Zugvögel eine große Rolle, wobei eine Kompassfunktion der Epiphyse bei Tieren nachweisbar ist. ANTIAGING - UND REGENERATIONSWIRKUNG Im Alter sinkt jedoch die Fähigkeit des Körpers, die nächtliche Temperatur zu senken. Durch abendliche Melatoninzufuhr gelingt es jedoch, den Alterunsprozeß durch die nächtliche Regeneration im Rahmen einer Reduktion der Stoffwechselgeschwindigkeit zu verbessern. Die Voraussetzung jedoch ist, den Magen und den Darmtrakt in der Nacht möglichst leer zu halten, da sonst der nächtliche Stoffwechsel nicht reduziert werden kann. Melatonin schützt auch den Kreislauf und das Herz durch die Verlangsamung des Stoffwechsels in der Nacht. Der stärkste Anti-Aging-Effekt des Melatonins basiert auf der
Tatsache, stärkster freier Radikalfänger des Körperszu
sein. Vitamin C, E und Östradiol kann wie das Melatonin freie Radikale
binden, die als Ursache der Zellzerstörung und des Alterungsprozesses
wirken. Da das Melatonin ein derart kleines Molekül ist, kann es
in jene Zellen und Zellzwischenräume eindringen, in denen andere
Substanzen, wie Vitamin E nur schwer hineinkommen. Vor allem in bestimmte
Hirnanteile, aber auch in die Gefäßwand selbst kann es oft
nur als einziger Radikalfänger eindringen und dort die noch kleineren
tödlichen Radikale binden. Somit kann Melatonin einerseits die
Kraft- und Energiesysteme unseres Körpers ruhigstellen, und verhindert
damit den massiven Elektronenfluß, der ein Hauptgrund für
die Entstehung freier Radikale ist. Andererseits ist es darüber
hinaus in der Lage, diese Radikale abzubinden und zu neutralisieren.
So verstärkt sich der Anti-Aging-Effekt des Melatonins massiv.
Die Eigenproduktion von Melatonin wird durch Verzicht auf vor allem abends konsumierten Alkohol und Nikotin sowie durch Reduktion der abendlichen Kalorieneinnahme und eine nicht übertriebene abendliche körperliche Betätigung stark gefördert. Melatonin scheint die Entstehung des grauen Stars verzögern zu
können. Es hat auch Potential in der Behandlung von Hirnschäden
durch Epilepsie, Schlaganfall und Hirntrauma. Bei Phasen langer Dunkelheit, wie dies im Winter der Fall ist, werden hohe Melatonindosen freigesetzt, so daß in diesen Zeiten die Reproduktion reduziert wird. In den Zeiten von Wärme und Licht der Sonne hat sich die Fortpflanzung dem Sonnenzyklus angepaßt, so daß die Nachkommenschaft zu günstigen Bedingungen geboren wird. Ein Rest dieser evolutionär bedingten Interaktion ist auch noch beim Lebewesen Mensch erhalten geblieben. Bei ihm nimmt das Melatonin Einfluß auf den Menstruationszyklus und die Eierstockaktivität. Man hat beobachtet, daß bei Nomadenfrauen, die unter freiem Himmel schlafen, der Menstruationszyklus synchron verläuft. Die Frauen menstruieren alle am gleichen Tag und haben auch zum gleichen Zeitpunkt den Eisprung. Unter Streß stellt das Hormon Endorphin, bei Gewichtsdifferenzen
das Hormon Leptin und bei Lichtschwankungen das Hormon Melatonin eine
Verbindung zu der Eierstockfunktion und damit zu der Menstruationsregelung
und in weiterer Folge damit auch zur Fruchtbarkeit her. Da Melatonin die Hormone des Eierstockes hemmt und den Eisprung unterdrückt , wird seine Anwendung zur Schwangerschaftsverhütung erprobt. Die Vorteile der Kontrazeption mit Melatonin liegen in der Vermeidung eines Thromboserisikos und dem Schutz vor Mammakarzinom durch Vermeidung von Östrogenanwendung. Melatonin in pharmakologischer Dosierung (75 mg) mit Norethisteron wird als östrogenfreies Kontrazeptivum getestet. Patientinnen mit prämenstruellem Syndrom zeigen einen gestörten
Melatoninrhythmus und eine Melatoninsubstitution kann das prämenstruelle
Syndrom zum Verschwinden bringen. Dabei kommt es zur Freisetzung von großen Melatoninmengen, und Frauen, die unter Neonlicht arbeiten, haben dadurch seltener einen Eisprung. WIRKUNG AUF DAS Immunsystem Der Zusammenhang zwischen Eiphyse und Thymus kann die altersabhängige
Abnahme der Immunfunktion erklären, welche zu malignen Tumoren,
Alterung und Tod führt. Schutz vor Krebs Freie Radikale können von Antioxydantien gebunden und unschädlich gemacht werden. Starke Antioxydantien sind Betacarotin, Vitamin E und C, Flavine, Glutathion sowie Melatonin, das von allen Antioxydantien das effektivste ist. Es hat keine Nebenwirkungen und die Verbindung mit freien Radikalen ist nicht wieder so wie bei anderen Oxydantien rückgängig zu machen, die bei ihrem Zerfall wieder freie Radikale freisetzen. Ein weiterer krebshemmender Einfluß des Melatonins wird durch seinen reduzierenden Effekt auf die Stoffwechselleistung des Organismus in der Nacht erreicht. Dieser wird dadurch in die Lage versetzt, Systeme, die am Tag zerstört worden sind, zu reparieren. In der Nacht teilen sich durch den reduzierten Stoffwechsel normale Zellen langsamer. Krebszellen, die eine unbeeinflussbare ungehemmte schnelle Zellteilung aufweisen, werden quasi ausgehungert und zerstören sich damit selbst. Patienten mit Prostatakarzinomen haben deutlich niedrigere Melatoninspiegel
als gesunde Männer. Melatonin bremst auch die Produktion des Testosterons
des Mannes, wobei Testosteron eine Bedeutung bei der Entstehung des
Prostatakarzinoms aufweist. Melatonin hat signifikant die Proliferation
von Prostatakrebszellen verlangsamt und sogar blockiert. Nachtarbeiterinnen und Schichtarbeiterinn haben mehr Brustkrebs, da durch die fehlende Dunkelheit und das dauernde Licht der Melatoninspiegel ständig nieder ist. So hat nach einer neuesten US Studie eine Krankenschwester, die 30 Jahre regelmässig Nachtdienst macht, ein bis 36% höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen, die am Tage arbeiten. Dagegen zeigte eine norwegische Studie, daß blinde Frauen aufgrund der fehlenden Hemmung der Melatoninausschüttung durch das Licht über die Netzhaut ständig erhöhte Melatoninspiegel aufwiesen. Sie zeigten gegenüber sehenden Frauen ein über 35 % geringeres Brustkrebsrisiko. Der Schutzwirkung von Melatonin auf die weibliche Brust beruht auch
auf einer Blockierung der Östrogenrezeptoren in der Brust, so daß
somit die zellteilungsanregenden (Krebszellen bildenden) Effekte des
Östrogens auf das Brustdrüsengewebe weitgehend durch das Melatonin
gehemmt werden. Die Chronobiologie des Körpers beeinflusst einige Krebsarten, die zu bestimmten Jahreszeiten wesentlich häufiger auftreten. In den Sommermonaten, wo durch die langstündige Blockierung der Melatoninausschüttung erniedrigte Melatoninspiegel gefunden werden, treten vermehrt Brustkarzinome auf. Die onkostatische Melatoninwirkung ist stark von der Jahreszeit abhängig und am besten im Juli und August, wo es von der Natur am wenigsten gebildet wird. Auch weitere onkostatische Eigenschaften scheinen durch die antioxydative
Wirkung von Melatonin durch den Schutz vor den durch freie Radikale
verursachten DNA-Schäden möglich sein. Weiters erhöht Melatonin als Zusatz bei der Chemotherapie von Osteosarkomen die Prognose dieser oft tödlich verlaufenden Krankheit. Auch bei Dickdarmkrebs hat sich die Langzeitbehandlung mit Melatonin sowie bei der Inhibition von Leukämie-Zellproliferation als erfolgreich erwiesen. REGELUNG DES Schlaf-Wachrhythmus Voll- und Neumond haben ebenfalls einen Einfluß auf die lichtabhängige
Freisetzung von Melatonin. Die zentrale Steuerung der Körpertemperatur
und die zirkadiane Rhythmik werden vom vorderen Zwischenhirn gesteuert
und ergeben die zirkadiane Rhythmik der Melatonin-konzentration. Bei total erblindeten Kindern und Erwachsenen ohne jegliche Lichtempfindung erfährt die Epiphyse nicht, ob es gerade Tag oder Nacht ist. Blinde zeigen deutlich erhöhte Melatoninspiegel. Die Körpertemperatur, die Melatonin- Cortisolausscheidung und der Schlaf verschieben sich laufend gegenüber dem 24-Stunden-Tag und laufen daher als free running cycles auch gegeneinander asynchron. Die sozialen Zeitvorgaben wie Essenszeit, Arbeits- und Freizeit und Schlaf werden entsprechend unserers 24-Stunden-Tages eingehalten, trotzdem leiden manche Blinde an periodischer Schlaflosigkeit. Solchen Patienten hilft die Zufuhr von Melatonin zur Schlafenszeit, ihre biologische Uhr auf eine Ruhephase einzustellen. Melatonin hat hier eine effiziente Regulation des Schlaf-Wachrhythmus erlaubt. Für viele moderne Menschen unserer Zeit hat die Technik mit ihren Möglichkeiten, die Nacht taghell zu erleuchten und im Flugzeug binnen weniger Stunden etliche Zeitzonen zu überschreiten, Probleme geschaffen, ihr Schlafbedürfnis auf natürliche Weise zu regulieren. Bei Flugreisen über mehrere Zeitzonen wird durch eine rasche Zeitverschiebung die Verschiebung der Tag-Nachtstruktur erreicht. Die daraus resultierende Schlafstörung wird Jetlag genannt. Der Nucleus suprachiasmaticus als Steuerungsorgan des zirkadianen Systems reagiert nur langsam auf die Adaptierung der neuen Rhythmen. Der durchschnittliche Resynchronisationsprozeß beträgt einen Tag pro Zeitzone. Von aussen zugeführtes Melatonin kann sowohl Schlaf- als auch Körpertemperatur beeinflussen, insbesonders in der Lichtphase, in der wenig Melatonin im Körper kreist. Den besten Erfolg scheinen Melatoningaben schon 3 Tage vor Flugantritt
zu bringen, wobei 1 mg Melatonin pro Stunde Zeitdifferenz bzw. 1-2 Std.
vor der Schlafenszeit der neuen Zone gegeben wird. Mit besonderem Erfolg
wird Melatonin zur Überwindung des Jetlag bei West-Ostreisen eingesetzt. WIRKUNG GEGEN Stress Der Präkursor für das Neurohormon Melatonin ist Tryptophan, ebenso wie für den Neurotransmitter Serotonin und das Vitamin Niacin. Die Tryptophanspiegel sind bei Streß reduziert, da Cortisol zu einer Reduzierung des Tryptophans führt und damit auch zu einer erniedrigten Serotonin- und Melatoninproduktion. Das Adrenalin ist ein Gegenspieler des Melatonins und stellt das Energiehormon dar, das den Körper überall dort mit Kraft versorgt, wo er es gerade benötigt. Es erhöht den Blutdruck, die Herzfrequenz und den Zuckerverbrauch. Melatonin wirkt diesem hohen Energieverbrauch entgegen. Es senkt die Streßhormone, reduziert den Blutdruck und schützt damit das Herz. WIRKUNG GEGEN PSYCHISCHE STÖRUNGEN Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erhöhen die Melatoninserumkonzentrationen. Dies zeigt, dass die Bioverfügbarkeit von Serotonin und Melatonin konform gehen. Durch die Wirkung des Melatonins nimmt das Licht Einfluß auf
die Stimmung. Die Wirkung des Melatonins wird jedoch nur vom natürlichen
Licht, d.h. Sonnenlicht gesteuert. Melatonin beeinflusst auch die Alzheimer Erkrankung sowie affektive Störungen. Die Melatoninproduktion scheint bei Menschen, die an Migräne leiden, gestört zu sein. NEBENWIRKUNGEN und wechselwirkungen Auch bei extrem hohen Dosen, die bei 100-facher Dosierung der sonst üblichen liegen, konnte keine schädliche Nebenwirkung von Melatonin gefunden werden. Die Einnahme von Melatonin mit anderen Hormonen wie z.B. bei gleichzeitiger Hormonersatztherapie (Östrogene und Progesteron) schafft keine Konflikte irgendwelcher Art. Alle genannten Hormone existieren im Körper einer jungen Frau vor der Menopause auch gleichzeitig, ohne irgendwelche Beschwerden hervorzurufen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich dies im späteren Leben ändern könnte. Stoffe, die die Melatoninproduktion hemmen, sind Alkohol, Nikotin, Kaffee, Aspirin und auch verschiedene Medikamente wie Betablocker, zentrale Kalziumantagonisten, nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Dexamethason und Benzodiazepine Chronischer Alkoholismus erzeugt sehr niedrige Melatoninspiegel, die noch nach jahrelanger Abstinenz bestehen. Auch haben diese Patienten häufig Schlafprobleme. Eine Steigerung der Melatoninsekretion entsteht durch die meisten Antidepressiva der Gruppe der Serotoninwiederaufnahmehemmer durch die erhöhte Verfügbarkeit der Präkursoren Tryptophan und Serotonin. Auch Lithium erhöht die Melatoninausscheidung. Bei schweren psychischen Erkrankungen kann Melatonin unruhige Träume und Albträume verursachen. Manische Personen können dadurch noch manischer werden. Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung, bei der Körper seine eigenen Zellen attackiert, ist die Einnahme zusätzlichen Melatonins nicht angezeigt, da dieses Hormon das Immunsystem stimuliert. Zu diesen Erkrankungen zählen rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Lupus und Sklerodermie. Auch Schwangere und stillende Mütter sollten sicherheitshalber auf die Einnahme zusätzlichen Melatonins verzichten. Melatonin ist absolut in seiner Anwendung sicher, es macht nicht süchtig und es hat keinerlei Nebeneffekte wie Schläfrigkeit oder den hang over am nächsten Morgen.. SUBSTITUTION VON MELATONIN Wird dem Körper von außen jene Melatoninmenge zugeführt, die er benötigen würde, die Energieversorgung auf Zellebene wieder zu gewährleisten, so kann auch die Zirbeldrüse selbst wieder genügend Energie bekommen, um ihre normale Arbeit auszuführen und ihre eigene Melatoninproduktion zu erhöhen. Die optimale Dosis liegt zwischen 0,5- 30mg und muss je nach Ursache des Melatoninmangels angepasst werden. Eine ausreichende Schlafwirkung erreicht man mit einer abendlichen Dosis von 3-5mg. Im Amerika ist Melatonin als Nahrungsmittel auf dem Markt, in Österreich ist Melatonin nur in Apotheken auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Es muß die Apotheke dieses Präparat nach der Rezeptur in entsprechender Dosierung selbst anfertigen. Der Verkauf von Melatonin in Österreich ist jedoch nicht verboten, wie imanchmal fälschlicherweise bekanntgegeben wird. Die Einnahme von Melatonin sollte am besten 20 - 40 Min. vor dem Zubettgehen erfolgen. Autor und Copyright: Primarius Univ. Prof. Dr. Erich Müller-Tyl |
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