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Anti Aging mit dem Wachstumshormon
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Die Alterung des Menschen

Der griechische Dichter Hesiod, der vor rund 3000 Jahren gelebt hat, wusste genau, wie die Lebensspanne des Menschen festgelegt wird. Sie liegt in der Hand von Klotho, Lachesis und Atropos, den Töchtern des Zeus und der Themis. Wie sie dieser Aufgabe nachgekommen sind, ist auf verschiedenen antiken Darstellungen zu sehen. Sie spinnen einen Lebensfaden, den sie am Ende wieder zerschneiden. Somit ist die Lebenszeit des Menschen über die Länge des Fadens festgelegt.
Aristoteles bezeichnete das Altern als eine natürliche Krankheit.
Der römische Philosoph Seneca tätigte den Ausspruch: „Alle hält dieselbe Bedingtheit gefesselt: Wem zuteil wurde geboren zu werden, auf den wartet der Tod. Abstände trennen uns, der Ausgang ist immer der gleiche.“

Wie alt kann ein Mensch überhaupt werden? Schon im 1. Buch Moses Kapitel 5.6, findet sich: Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben 120 Jahre.

Sind es die auch wissenschaftlich am ehesten akzeptierten 120 Jahre, weil sie nachweislich schon gelebt wurden? Oder sind es die 180 Jahre, über die einige mutige Wissenschaftler spekulieren? Oder gar , wie im Alten Testament, Genesis 5erwähnt wird, das Alter von Methusalem, Sohn des Patriarchen Henoch und Grossvater des Patriarchen Noah, der im Jahre der Sintflut im Alter von 969 KJahren gestorben sei.

Eine überzeugende Antwort auf diese Fragen gibt es noch nicht.
Sicher ist, dass die natürliche Lebensspanne des Menschen theoretisch viel größer ist, als sie von der überwiegenden Mehrheit erreicht werden kann.
Wir unterscheiden daher die maximale Lebensspanne, maximal life span, von der durchschnittlichen Lebenserwartung , avarage life span.
Der bisher zweifelsfrei älteste Mensch, die Französin Jeanne Calment, starb am 4. August 1997 im 123. Lebensjahr.

Prinzipiell hat die Natur kein Interesse an einem überlangen Leben, weil das der Weiterentwickelung der Art entgegensteht und der Organismus aus evolutionsbiologischer Perspektive mit der Fortpflanzung seinen biologischen Auftrag erfüllt hat.
Deshalb sind in der 2. Lebenshälfte alle Regulations und Integrationsmechanismen immer weniger in der Lage, die unendliche Vielzahl unterschiedlichster Körperzellen in einer funktionierenden Einheit zusammen zu halten und Fehler häufen sich so lange, bis das System zusammenbricht.
So werden Lebewesen, nachdem sie das Ende ihrer Fortpflanzungsfähigkeit erreicht haben, evolutionstheortisch praktisch nutzlos.
Wirklich alt werden eigentlich nur domestizierte Tiere und der Mensch. Warum lebt der Mensch 5 x länger als eine Katze und eine Katze 5 x länger als eine Maus und eine Maus 25 x länger als eine Fruchtfliege?

Ein pauschaler Vergleich aller Säugetiere der Welt ergibt, daß kurzlebige Spezies wie Mäuse und Kaninchen hohe Reproduk­tionsraten aufweisen, langlebige Spezies wie Elefanten und Menschen dagegen niedrige. Diese inverse Korrelation leuchtet ohne weiteres ein. Spezies, die in ihrer Umwelt ernsten Gefahren ausgesetzt sind, müssen frühzeitig im Leben reichlich reproduktiven Erfolg haben, bevor es zu spät ist. Das Potential für ein langes Leben ergibt keinen Sinn, wenn die Mortalität in der Wildnis so hoch ist, daß sie die durchschnittliche Lebens­spanne begrenzt. Lauern nur wenige Gefahren in der Umwelt, verläuft das Leben gänzlich anders. Die Fortpflanzung kann hinausgeschoben und die Zahl der Nachkommen eingeschränkt werden, da genügend Zeit zur Verfügung steht. Aus der Sicht der Evolution ist es die Tauglichkeit einer Spezies, also ihre Fähigkeit, sich reproduktiv zu behaupten, die optimal sein soll.

Ein langes Leben ist daher die Belohnung für eine erfolgreiche Fortpflanzung. Damit genügend Nachwuchs gezeugt und großgezogen wird, erhält jede Art eine höhere physiologische Kapazität als dafür unbedingt notwendig ist. Dadurch bleiben noch genügend Reserven, um über die Geschlechtsreife hinaus zu leben. Beim Menschen, dem am höchsten entwickelten Lebewesen, können das Jahre bis Jahrzehnte sein.

Der Körper ist eine Komposition aus 80 000 bis 100 000 Milliarden Zellen , die kontinuierlich absterben und ersetzt werden. Etwa alle 3 Jahre erneuern sich 90 % aller Zellen des menschlichen Körpers. Nur Gehirnzellen werden nicht erneuert. Bindegewebszellen können sich etwa 50 mal im Laufe des Lebens teilen.

Das Absterben von Körperzellen wird durch die Apoptose geregelt. Die Apoptose ist der programmierte Zelltod von Köperzellen, die ihre reguläre Funktion durch Alterung oder durch Veränderung ihrer richtigen Funktion verloren haben. Das Wort Apoptose stammt aus dem Griechischen und kommt von apo = ab, weg und Ptosis = Senkung, und beschreibt den Fall der Blätter im Herbst. Die Apoptose ist ein für die Entwicklung und Aufrechterhaltung eines vielzelligen Organismus lebenswichtiger Mechanismus. Nur wenn die Neubildung und Eliminierung der Zellen im Gleichgewicht steht, bleibt der Organismus gesund. Gerät dieses Gleichgewicht ausser Kontrolle, sind krankhafte Erscheinungen wie Krebs oder AIDS die Folge.

Auf der anderen Seite produziert der Körper permanent Proteine, die Muskel aufbauen, die Organe bilden, und auch für die Synthese von Hormonen und Immunglobulinen eine unverzichtbare Voraussetzung sind. „Heat Shock Moleküle“ heißen jene Strukturen, die für das endgültige Design der Proteine verantwortlich sind.

Im Zellkern jeder Zelle besteht der genetische Bauplan für den ganzen Körper. Der Träger der Erbinformation ist die Desoxyribonukleinsäure (DNA), die durch die Variation von 3 Milliarden darin enthaltenen Basenpaaren eine immense Variationsmöglichkeit besitzt. Dadurch hat kein Mensch das gleiche Erbgut. Sein Bauplan ist durch seine spezifischen Gene fixiert.

Ein Gen ist ein Abschnitt der DNA, und enthält die gesamte biologische Information, den genetischen Code, für die Bildung eines bestimmten Proteins. Die Proteine sind die Drehscheibe für den strukturellen und funktionellen Aufbau des Körpers. Der Mensch hat etwa 50 000 Gene. Die Gesamtheit aller Gene ist das Genom. Die Gene befinden sich in den 46 Chromosomen, die in jeder Körperzelle die Träger des gesamten Erbmaterials sind. Nur Samen- und Eizelle haben je 23 Chromosomen.
Die DNA bildet also das Informationssystem der Zelle. Die vollständige Information muss natürlich bei jeder Zellteilung identisch an die Tochterzelle weitergegeben werden. Dies geschieht bei der Replikation, wobei die DNA- Moleküle verdoppelt und anschließend an die nächste Zellgeneration weiter gegeben werden.

Die DNA bildet einen extrem dünnen Faden von 2 Meter Gesamtlänge, der im nur wenige Millionstel Millimeter grossen Zellkern gefaltet liegt. Da der menschliche Körper aus 80 000 bis 100 000 Milliarden Zellen besteht, ergeben alle im Körper befindlichen DNS Fäden aneinander gereiht gemeinsam eine Länge von 160 bis 200 Milliarden Kilometern, was etwa der hundertfachen Entfernung der Sonne von der Erde entspricht.

Während wir hier sitzen und diesen Vortrag hören produziert der Körper viele Milliarden neuer Zellen und dazu müssen in dieser Stunde etliche Millionen Km DNA kopiert werden.

Proteine oder Eiweiße sind jene organische Substanzen, ohne die unser Leben undenkbar wäre. Diese sind sowohl am strukturellen Aufbau unseres Körpers als auch an seinen physiologischen Abläufen maßgeblich beteiligt. In Form von Enzymen spielen sie bei fast jeder chemischen Reaktion unseres Körpers eine essentielle Rolle.
Um eine Proteinsynthese in die Wege zu leiten muss eine Kopie jenes Genes, das den Bauplan für das gewünschte Protein darstellt, erstellt werden. Genau wie bei der DNA Replikation wird dazu ein komplementärer Strang syntetisiert, der aber aus der Ribonukleinsäure - RNA, besteht. Er ist eine Kopie des Gens und trägt nun die Information zum Aufbau des gewünschten Proteins. Man spricht von einer Messenger RNA, die die sogenannte Transkription von Genen ermöglicht. Im Rahmen der Translation wandert die Messenger RNA nun aus dem Zellkern um die kopierte Botschaft an die Proteinfabrik, also zu einem Ribosom im Zellplasma zu bringen. Im Ribosom werden die Messenger RNA - Informationen entschlüsselt und ein funktionsfähiges Protein gebildet.

Wenn nahezu alle Körperzellen ständig erneuert werden, warum altert dann der Mensch und stirbt schliesslich?
 
Für die Alterung gibt es mehrere Theorien. Die wesentlichsten Theorien sind die Programm- und die Verschleisstheorien. Die bedeutenste Programmtheorie ist die sogenannte Erb- oder Gentheorie, wobei der Tod im Erbgut vorprogrammiert ist.

Die Wissenschafter gehen davon aus, dass rund 100 Gene am Phänomen der Langlebigkeit beteiligt sind. Von diesen 100 Altersgenen sind bisher lediglich 2 identifiziert, wobei nur von einem bekannt ist, wie es funktioniert. Es veranlasst die Zellen dazu, Superoxiddismutase zu produzieren, ein Enzym, das die Zeitbombe freie Radikale entschärft.

Der Wissenschafter Hayflick entdeckte, dass sich eine Zelle nur etwa 50-70 mal teilen kann und dann stirbt und dies am Verbrauch der sogenannten Telomere, vom griechischen Wort „telos“ = Ende und „meros“ = Teil, liegt.

Bei einer Zellteilung kommt es jeweils an den Chromosomenenden zum Zugrundegehen von Chromosomendstücken, der sogenannten Telomeren, die wie Schutzkappen bei Zellteilungen das Erbgut schützen. Bei jeder Zellteilung werden so Gen-kopierende Enzyme am Ende eines Chromosomes nicht mit kopiert, und damit geht daher ein kleines Stück am Ende der Chromosomen verloren. Dieses wird im Verlauf der Zellteilungen immer kürzer. Zur Zeit unserer Geburt sind unsere Telomere etwa 10.000, im Alter von 100 Jahren nur etwa 5.000 Basenpaare lang. Ist der Telomervorrat der Zelle aufgebraucht, dann schwimmt die Erbsubstanz schutzlos im Zellkern. Lebenswichtige Gene gehen verloren, die Chromosomen verkleben miteinander und die Zelle stirbt ab.
Bei Keimzellen und undifferenzierten Stammzellen von Blut, Haut und Knochenmark kommt ein Telomerschwund bei Zellteilungen durch die Wirkung eines hoch spezialisierten Enzyms, der Telomerase, nicht vor.

Das Enzym Telomerase stellt eine Art Schutz für die Chromosomenenden dar und ergänzt das Telomerende immer wieder bei jeder Zellteilung.
Menschen, die älter als 100 Jahre werden, haben gemeinsam eine genetische Mutation. Nach neuesten amerikanischen Forschungsergebnissen besitzen 100- jährige 5 x häufiger als andere dieselbe Mutation in ihrer mitochondrialen DNA. Mitochondrien sind Zellorganellen, die der Energiegewinnung dienen. Die mitochondriale DNA besteht im Gegensatz zur DNA in Zellkern mit rund 50.000 Genen aus nur 37 Genen.

Noch ist unklar was die Mutation genau bewirkt, es könnte sein, dass die Mutation einen Überlebensvorteil bringt, in dem sie die Replikation der mitochondrialen DNA beschleunigt und dadurch vielleicht ein durch die Alterung beschädigter Teil der mitochrondrialen DNA ersetzt wird. Eine Möglichkeit wäre auch, dass diese Moleküle im Zuge der Replikation oxydativ weniger geschädigt werden.

Daß auch einzelne Gene beim Altern eine Rolle spielen, zeigen so seltene Erbkrankheiten wie die Progerie. Sie ist ein Modell für das Altern. Bei der im Kindesalter einsetzenden Form kommt es noch vor dem dritten Lebensjahr zu einem Wachstumsstillstand und einer rapiden Vergreisung undbaldigem Tod. Bei der Form, die auch als Werner-Syndrom bezeichnet wird, beginnt die fatale Kaskade des Alterns mit dem zwanzigsten Lebensjahr. Die Betroffenen ergrauen, ihre Haut wird faltig, sie erblinden am Grauen Star und leiden häufig an Herzkrankheiten, Arteriosklerose, Diabetes und Krebs. Nur vor einer Krankheit des Alters bleiben sie verschont: der Alzheimerschen Krankheit. Kürzlich konnte das Eiweiß isoliert werden, das für die frühzeitige Alterung beim Werner-Syndrom verantwortlich ist, eine sogenannte Helicase. Ihre Aufgabe ist es, die spiralig gedrehte DNA zu entflechten. Nur so können Schäden repariert oder die gespeicherte Information abgelesen oder verdoppelt werden. Bei den Menschen mit der Werner-Krankheit ist die Helicase so verändert, daß sie nicht mehr richtig arbeiten kann. Dadurch sammeln sich sehr wahrscheinlich mehr Schäden im Erbgut an, als dies normalerweise der Fall ist.


Die Verschleißtheorien sind hauptsächlich Theorien der Zellschädigung durch freie Radikale und machen für die Alterung oder den Tod des Körpers eine allmähliche Schädigung auf Grund der biochemischen Abfallprodukte verantwortlich.

Die bisherige Theorie war, dass beim Stoffwechsel hauptsächlich chemisch aggressive Substanzen, freie Radikale genannt, die Zellwände und vor allem die Erbsubstanz DNA angreifen und das zu Defekten derselben führt. Diese werden bei jeder Zellteilung weitergegeben, so dass es letztlich zur Alterung und dem Tod kommt.

Diese Ansicht scheint überholt zu sein. Es altert nicht das Genom, die DNA, die auch im Alter gleich bleibt. Gen-Mutationen treten als Ursache der Alterung selten auf.
Vielmehr verändert sich die Verpackung der Gene. Acyl-, Methyl-, und Phosphatreste können die Struktur der Verpackung der Erbsubstanz so grundlegend ändern, dass Informationen entweder unzugänglich werden oder für Übersetzungsenzyme überdeutlich sichtbar werden. Auf diese Art wandelt sich die Proteinstruktur der Zelle und sie altert.

Die Epigenetik trägt zu Alterungsprozessen aber auch zu kardiovaskuären Erkrankungen und der Krebsenstehung bei. Wenn Informationen, die für die Apoptose, den Zelltod, wichtig sind, inaktiviert werden, stirbt die Zelle nicht mehr ab, und ein Krebs kann ungehindert wuchern.
Als weitere Hauptursache der Alterung wird die Schädigung und der Verschleiss der Mitochondrien angesehen. Ursache des Alterns auch bei gleich bleibender Jugend der Gene ist, dass die Mitochondrien, die Energiequellen in der Zelle, allmählich langsamer arbeiten und irgendwann ganz versagen. Mitochondrien sind kleine Knoten in der Zellsubstanz, die voll gestopft mit Enzymen sind und die Stoffwechselvorgänge der Zelle bewerkstelligen und sich mit der Zeit abnützen. Wenn die Mitochondrien nur mehr geringfügig arbeiten geht die Zelle zugrunde.

Durch eine abfallende Energieproduktion in den Mitochondrien kommt es besonders im Bereich des Gehirns zu altersbedingten Degenerationserscheinungen wie z.B. zu Alzheimer und Demenz.
Ich möchte hier ganz kurz einige in meinem Vortrag verwendete Begriffe erklären.
Die Genetik beschäftigt sich mit der DNA, ihrer Organisation in Genen und regulatorischen Sequenzen, ihrer Veränderung durch Mutationen und ihrer Vererbung an die nächste Generation.
Die Epigenetik betrifft alle Vorgänge, die sich „epi“- d.h. neben oder über der DNA abspielen und dazu führen, dass die codierte Information in einem Gen aktiv wird und zur Ausprägung eines bestimmten Merkmales , des Phänotypus des Individuums, führt. Weiters untersucht die Epigenetik, wie Umwelteinflüsse den regulatorischen Zustand der Gene beeinflussen.

Freie Radikale sind unvollständige Atome und Moleküle. Vollständige chemische Verbindungen werden von Elektronen in gleichbleibenden Mustern umkreist. Bei freien Radikalen fehlen jedoch 1 oder 2 Elektronen, wodurch sie instabil werden und die Tendenz haben, sich an andere Verbindungen zu hängen und deren Struktur zu stören.

Lebende Zellen werden durch diese überlaufenden Verbindungen irritiert, komplexe und empfindliche Strukturen des Lebens gestört. Treten freie Radikale in entsprechender Anzahl auf, können die Bestandteile einer Zelle zerstört und die Zelle oft selbst damit zerstört werden.
Wird eine empfindliche DNA-Kette durch freie Radikale geschädigt, verändert sich dadurch der genetische Code und die Zelle mutiert. Meistens enden diese genetischen Mutationen für die Zelle tödlich, in anderen Fällen kann die Zelle krebsartig werden.

Die Lebenserwartung des Menschen in der Vorzeit betrug etwa 25 Jahre, in Rom um Christi Geburt wie auch in Deutschland noch um das Jahr 1800 etwa 30 Jahre. Ende des 19. Jahrhunderts betrug sie in den USA und Deutschland noch knapp 40 Jahre.

Die Lebenserwartung der Weltbevölkerung nimmt nach Statistiken des US-Census Bureau und des National Institute on Aging ständig zu: monatlich gibt es 800.000 Menschen weltweit mehr, die über 65 Jahre alt sind.

In Österreich liegt der Prozentsatz der über 65-Jährigen bei 15,4 Prozent. Die höchste Lebenserwartung weltweit haben Japaner mit durchschnittlich 80,7 Jahren, in Österreich liegt das Durchschnittsalter bei 77,7 Jahren.

Frauen leben in unserem Kulturkreis derzeit durchschnittlich 6,5 Jahre länger als die Männer. Ein neugeborener Junge hat heute nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch 73,6 Jahre, ein neugeborenes Mädchen 80 Jahre Lebenszeit vor sich. 

In den Industrieländern kommen heute auf 100.00 Einwohner zirka 3-4 über 100-jährige Menschen. Das Verhältnis Frauen zu Männern liegt bei etwa 3,5 : 1.
Die Lebenserwartung stieg im Weltdurchschnitt von 48 Jahren im Jahr 1955 auf 65 Jahre im Jahr 2000.


Woher wissen nun die Körperzellen, was sie tun sollen, oder ob sie sich im Organismus eines jüngeren oder eines älteren Menschen befinden?
Ihre Funktion ist an den Hormonspiegel gekoppelt und damit erhalten sie die Information, beim jungen Menschen sich „jung“ und beim alten Menschen sich „alt“ zu verhalten.
Ein wichtiger Faktor des Alterns ist die Verlangsamung des Hormonsystems und die daraus entstehenden hormonellen Defizite.

Hormone wirken in Form von Molekülen und koordinieren Aktivitäten von Zellen und Organen. Hormone und Nerven sind in ihrer Funktion eng miteinander verbunden und beide Systeme gemeinsam stellen eine optimale Koordination der Aktivitäten von Organen sicher.

Hormone, griechisch: hormon = in Bewegung setzen, antreiben, anregen, sind eine chemisch heterogene Substanzgruppe, welche Derivate von Aminosäuren, Peptide, Proteine und Steroide einschliesst.

Hormone docken an den Hormonrezeptoren an, die in der Zellmembran, im Zytoplasma oder im Zellkern der Zielzelle sitzen. Hormon-Rezeptorkomplexe ergeben eine Signalübermittlung, die Aktivitäten von Enzymen und Regulatorproteinen, wie z.B. Transkriptionsfaktoren, verändern. Die Ansprechbarkeit der Zielzellen ist von der Rezeptorzahl und der Rezeptoraktivität abhängig.

Beim erwachsenen Menschen beginnt somit ab einem bestimmten Zeitpunkt ein merkbarer Alterungsprozess.
Mit zunehmendem Alter nehmen Beschwerden durch ständige Müdigkeit, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und reduzierte Leistungsfähigkeit zu. Merkfähigkeit, Gedächtnis und Sexualität nehmen ab, das Entfallen von Worten und Begriffen nimmt zu. Auch die Bewältigung von Problemen wird immer schwieriger.

Die körperliche und geistige Beweglichkeit reduziert sich Jahr für Jahr. Langsam wird die Haut dünn und fleckig und immer mehr Falten treten auf. Haare werden schütter und grau, die Sehkraft und das Gehör lässt nach, dafür treten Rauschen und Sausen in den Ohren auf. Die Muskeln gehen immer mehr zurück, der straffe Körperbau weicht einem schlaffen Gewebe.
Übergewicht und Depressionen stellen sich ein und damit Gelenksschmerzen und Schmerzen im gesamten Organismus.

Es gibt jedoch sehr starke Variationen im Alterungsprozess der Menschen, der durch die Differenz zwischen kalendarischem und biologischem Lebensalter ausgedrückt werden kann.
Das kalendarische Lebensalter zeigt die tatsächliche bisherige Lebensdauer ohne Rücksicht auf den wirklichen Zustand des Individuums. Beim biologischen Lebensalter zählt vor allem der Zustand der Körperzellen und der Blutgefäße, der Potenz, des Kurzzeitgedächtnisses, der Funktion von Lunge, Leber, Herz und Nieren und natürlich auch des allgemeinen Erscheinungsbildes. Faktoren, die für das biologische Alter wichtig sind, werden heute schon per Computeranalyse bestimmt. Das biologische Alter kann unter oder über dem kalendarischen Lebensalter liegen.

Welche Massnahmen sind nun zur Vermeidung frühzeitigen Alterns und vorzeitigen Ablebens angezeigt?
Der Megatrend der Medizin des 21. Jahrhunderts ist die Anti-Aging-Medizin, das ist die Medizin gegen die Alterung des Menschen. Die typischen Alterungsprozesse führen zu entsprechenden Alterserkrankungen, die, wie heute gesichertes Wissen ist, nicht unabwendbar sind.

90 % aller Gesundheitskosten derzeit entstehen im Laufe eines Lebens in den letzten 3 Lebensjahren. Es werden enorme Summen für Heilung von Krankheiten ausgegeben, die durch die Präventivmaßnahmen der Anti-Aging-Medizin verhindert werden können.
Im Begriff Anti-Aging-Medizin sind alle medizinischen Maßnahmen zusammengefasst, mit denen unser Alterungsprozess verzögert, aufgehalten oder sogar rückgängig gemacht werden kann.
Die Anti-Aging-Medizin basiert auf den Prinzipien einer sehr frühen Erkennung, Vorbeugung und Normalisierung altersbezogener Veränderungen. Sie führt sowohl zu einem gesünderen Leben und einer besseren Lebensqualität im Alter, als auch zu einer verlängerten Lebensspanne. Dies gilt für Männer und Frauen gleichermaßen.

Durch die Anti-Aging-Therapie wird es möglich, die freien Radikale zu entschärfen und damit den körperlichen Alterungsprozess abzubremsen.

Die moderne Labordiagnostik ermöglicht es mittlerweile, viele Alterungsprozesse in unserem Körper genau aufzuspüren, schon lange bevor sie für uns selbst sichtbar und fühlbar werden. Dadurch ist es möglich, gezielt wirkungsvolle Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen, um vorzeitigen Alterungserscheinungen vorzubeugen.

Um das biologische Alter so niedrig wie möglich zu halten, werden im wesentlichen 4 Anti-Aging-Strategien angewendet:
Hormontherapie, bewusste Ernährung, Bewegung und mentale Techniken.


Der Leitspruch der Hormontherapie im Rahmen der Anti-Aging-Medizin lautet: Hormonmangel ist zwar alterstypisch, ist jedoch nicht als gesund und erstrebenswert anzusehen! Durch die individuelle Gabe der Hormone bei der Anti-Aging-Therapie lässt sich der Alterungsprozess um 15-20 Jahre aufhalten, bzw. die Lebensuhr zurückdrehen.

Das wichtigste Hormon im Einsatz gegen das Altern ist der Schrittmacher der Jugend, das Wachstumshormon.
Weitere wichtige Anti-Aging-Hormone sind das Schlafhormon Melatonin, das Hormon Dehydroepiandrosteron oder DHEA, das die Mutter vieler anderer Hormone ist, das Männlichkeitshormon Testosteron, das Fruchtbarkeitshormon Östrogen, das Gedächtnis- und Erinnerungshormon Pregnenolon und die Phytohormone als pflanzliche Hormone. Es konnte aufgrund von zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass der Alterungsprozess des Menschen durch sie deutlich verzögert wird.

Während des Alterungsprozesses kommt es zu einer Ermüdung zahlreicher biologischer Systeme, die sich gegenseitig auf einem unteren Aktivitätsspiegel einpendeln. Ein Wachstumshormonersatz, ein sogenanntes Resetting, ermöglicht eine Neukalibrierung aller biologischen Reaktionen und Abhängigkeiten.

Durch das Resetting wird nicht nur das fehlende Wachstumshormon ausgeglichen, sondern eine Neueinstellung unterschiedlicher Systeme hergestellt. Bestimmte Gene nehmen im Alter ab oder zu. Transcriptionsveränderungen der Gene, die durch das Alter eingetreten sind, werden durch das Wachstumshormon korrigiert. Dadurch ist der Einfluss des Wachstumshormon weit gestreut und ein periodisches Resetting mit dem Wachstumshormon im Alter ist sinnvoll.

Ein sehr wesentlicher Faktor bei der Alterung ist die Kalorienzufuhr im Rahmen der Ernährung. Im Tierexperiment an Mäusen konnte gezeigt werden, dass diese Tiere unter der Zufuhr von nur 2/3 der normalen Kalorienzufuhr ein Drittel länger als wohlgenährte Artgenossen lebten. Übertragen auf den Menschen hieße es, dass durch eine Hungerkur oder durch Hungerkuren das Leben um 25 Jahre verlängert werden könnte.

Bei Generationen der Drosiphila melanogaster, der Frucht- oder Taufliege, konnte die Lebensspanne auf das Doppelte verlängert werden, in dem die Tiere in kalter Umgebung gehalten wurden. Das drosselt den Energieumsatz und es entstehen weniger freie Radikale. Auch mit zusätzlichen Genen im Erbgut, die den Angriff dieser aggressiven Verbindungen entschärfen, lässt sich das Leben der Fliegen verlängern. Das würde einem Menschenalter von nahezu 200 Jahren entsprechen.

Im letzten Jahr haben Wissenschaftler von der Harvard Medical School in Boston ein Gen für Langlebigkeit bei dem eleganten Fadenwurm, Caenorhabditis elegans, dem bisher bezüglich Gene am besten erforschten Mehrzeller, entdeckt. Dieser Wurm kann sein Leben dadurch verlängern, daß er sich abkapselt und in eine Art Winterschlaf verfällt. Das Gen, das für diesen Prozeß verantwortlich ist, hat große Ähnlichkeiten mit dem Gen für den menschlichen Insulinrezeptor. Damit wird die Aufnahme des Zuckers in die Zellen reguliert. Nach allem, was man bisher weiß, sind es die Aussichten auf Hungerszeiten, die den Wurm dazu veranlassen, in diese Form der Starre zu verfallen. Bei Caenorhabditis elegans kann offensichtlich eine geringer werdende Menge an verstoffwechseltem Zucker den Alterungsprozeß für eine Weile aufhalten.

Französische Genetiker lassen ihre Mäuse um 25% länger leben, in dem sie ihnen eine der beiden Kopien eines weiteren Gens ausschalten, das einen Wachstumsfaktor codiert. Dieses Gen ist wiederum ein enger Verwandter eines Wurmgens, durch dessen Eliminierung Fadenwürmer doppelt so lang am Leben erhalten werden als normal.

Es gibt sogar ein unsterbliches Tier, das ist eine Quallenart namens Turritopsos nutricula, die, wenn sie alt geworden ist, sich wieder in den Embryonalzustand zurück entwickeln kann. Sie klappt ihre Genhüllen zurück und ihre Gene starten wieder neu und die Eiweißproduktion wird auf embryonale Turritopsos programmiert. Auf den Menschen übertragen würde das heißen, ein 80- jähriger Greis entwickelt sich zurück zum Kind und seiner neuen Zukunft.


Um den Körper in Schwung zu halten, soll eine ausdauernde Bewegung von relativ geringer Intensität angewandt werden.

Die Leistung der Nervenzellen im Gehirn hängt von der Häufigkeit ihrer Inanspruchnahme, sprich ihrem Trainingszustand, ab. Und das unabhängig vom Alter.

Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano - auf Deutsch: möge ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sein, war der ironisch gemeinte Wunsch des römischen Satirikers Juvenal als Reaktion auf einen einseitigen Körperkult der damaligen Gesellschaft. Jedoch gehören geistige und körperliche Fitness zusammen, und sie stehen tatsächlich in enger Wechselwirkung zueinander.

Ein langes Leben macht nur Sinn, wenn es einen Inhalt hat. Für sich und für andere da zu sein heißt, die Zauberformel, und aktiv zu sein, sozial, geistig und körperlich.

Sowie Goethe schon gesagt hat:
„Tages Arbeit, Abends Gäste,
saure Wochen, frohe Feste,
sei dein künftig Zauberwort“.

Autor und Copyright: Primarius Univ. Prof. Dr. Erich Müller-Tyl
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