Die häufigste Ursache eines Haarverlustes ist eine Störung des Hormonhaushaltes. Haarverlust kann durch einen Mangel an weiblichen Hormonen (hypoöstrogenämisch) oder durch zu viele männliche Hormone (hyperandrogenämisch) sowie Störung der Schilddrüsenhormone bedingt sein. Oft ist die Vermehrung der männlichen Hormone im Blut nicht nachweisbar und findet sich nur lokal an den Haarwurzeln. Der hyperandrogenämische Haarausfall wird nicht hauptsächlich durch das Testosteron, sondern durch das Dihydrotestosteron, welches im Gewebe durch die 5-Alpha-Reduktase gebildet wird, verursacht.
Bei der androgenetischen Alopecie verkürzt sich die Anagenphase des Haarzyklus. Hierbei wird das Haar, das ein Follikel ausbildet, von Anagenphase zu Anagenphase dünner, bis der Haarfollikel seine Aktivität ganz einstellt. Finasterid als 5-Alpha-Reduktasehemmer kann diesen Prozeß gänzlich einstellen.
Das schilddrüsenbedingte Effluvium kann sowohl bei der Hypo-, wie auch bei der Hyperthyreose auftreten. Der Haarverlust bei der Hyperthyreose zeigt sich in einem diffusen Haarausfall mit dünnem Haar, bei der Hypothyreose bei dickem, fettem Haar Haarausfall sowie lateraler Augenbrauenverlust und Verlust der Schambehaarung.
Psychischer und physischer Stress können auch den Haarausfall begünstigen.
Weitere mögliche Ursachen sind auch speziell nach den Wintermonaten Vitamin D3-, Zink- und Eisenmangel , Hauterkrankungen und toxische Substanzen wie Medikamente und Umweltgifte. Auch chronische Erkrankungen und Störung des Immunsystems können eine Ursache darstellen.
Wie ist der natürliche Zyklus der Haare?
Ein Haar unterliegt einer 3 bis 5-jährigen Wachstumsphase (Anagenphase). Nach einer zweiwöchigen Übergangsphase (Katagenphase) schrumpft die Haarwurzel und das Haar wird nach einer 3 bis 4 Monate dauernden Ruhezeit (Telogenphase) abgestoßen. Danach beginnt eine neue Wachstumsphase. Normalerweise kann die Haarwurzel diesen Zyklus 15bis 17 mal durchlaufen, dann stirbt die Haarwurzel endgültig ab.
Normalerweise hat jeder Erwachsene zwischen 100.000 und 150.000 Kopfhaare.
Ein einzelnes Haar wächst pro Tag zirka 0,3 bis 0,4 Millimeter
Wie ist der Haarausfall definiert?
Krankhafter Haarverlust besteht dann, wenn mehr als 100 Haare pro Tag verloren werden.
Der Haarverlust wird oft schon bei geringerer Anzahl der täglich verlorenen Haare als stark empfunden, da er mit starken psychischen Problemen verbunden sein kann. Mit zunehmendem Alter ist es auch für Frauen natürlich, dass die Haardichte abnimmt.
Welche Sonderformen des Haarausfalles gibt es?
Häufig findet sich währen der Pilleneinnahme ein verstärkter Haarausfall. Hier kann die Gabe von Folsäure und Vitamin B6, B12 und Zink oder ein Wechsel oder Absetzen des Pillenpräparates Abhilfe schaffen. Auch nach der Geburt kommt es durch einen gleichzeitigen Übertritt der Haare von der Anaphase während der Schwangerschaft in die Telophase nach der Geburt zu einem zeitweilig verstärkten Haarausfall. Ein Östrogenhaarwasser hilft hier sehr rasch.
Welche Labor-Diagnostik ist beim Haarausfall wichtig?
Grundlegende Hormonbestimmungen müssen männliche und weibliche Sexualhormone, Schilddrüsenhormone, Nebennierenrindenhormone, Wachstumshormon, Hypophysenhormone und Sexualhormonbindendes Globulin sowie Vitamin D3 umfassen.
Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Behebung des vermehrten Haarausfalles zur Verfügung?
Die häufigste Ursache ist eine zu starke Wirkung männlicher Hormone auf die Haarwurzel. Die Therapie kann sowohl systemisch in Form von Tabletten, Cremen und Injektionen, wie auch lokal mit hormonhältigen Haartinkturen mit Antiandrogenen, Östrogenen, Progesteron sowie Alphareduktasehemmern durchgeführt werden.
In schweren Fällen, in denen keine andere Therapie ausreichenden Erfolg gebracht hat, ist der Einsatz von Hormoninjektionen in 2- wöchigen Abstanden praktisch immer erfolgreich.
Wird ein Haarverlust aufgrund eines Östrogenmangels festgestellt, so kann sowohl die allgemeine, wie auch eine Anwendung von Östrogenen direkt auf der Kopfhaut die Follikel in ihrem Wachstum anregen.
17-Alpha-Östradiol, das Isomer des 17-Beta-Östradiols, hemmt topisch die 5-Alpha-Reduktase, d.h. hier ist die Möglichkeit, mit Hilfe von Haarwasser, aber auch systemisch appliziertem Östrogen, den Haarausfall zu hemmen.
Das Mittel Minoxidil wird als Haarlotion aufgetragen und kann besonders in Kombination mit den Sexualhormonen Östrogen und Progesteron den Haarnachwuchs stark beleben. Die Substanz Finasterid als Haarwasser hemmt die Produktion von männlichen Hormonen in der Kopfhaut und wird hauptsächlich bei Männern eingesetzt. In ausgewählten Fällen kann es auch bei Frauen im Klimakterium mit gutem Erfolg angewandt werden (in der Schwangerschaft kontraindiziert). Vitamin D3 regt über Rezeptoren im Haarfollikel das Haarwachstum an. Die Gabe von Zinkoratat, Eisenpräparaten und Vitamin B6 und B12 sind oft gute Ergänzungen der Therapie.
Die Behandlung des Haarausfalles benötigt Geduld, da auf Grund des langsamen Haarwachstums eine Regeneration von vorgeschädigten Haaren nur sehr langsam vor sich geht und die älteste Generation der geschädigten Haare nicht mehr beeinflussbar ist . Diese irreversibel geschädigten Haare fallen noch aus und der Erfolg einer Therapie kann frühestens nach 6 Wochen bemerkt werden, dauert aber meistens wesentlich länger.
Welche begleitende Massnahmen sind bei Haarausfall sinnvoll?
Begleitende Massnahme ist die Substituierung von Spurenelementen, Vitaminen und anderen haarwuchsanregenden Substanzen, wie sie sich in den Haarkapseln der Prof. Dr. Müller-Tyl Gmbh finden.