Wechselbeschwerden - Keine Nebenwirkungen
Die Risikoabsicherung einer individuellen Hormonersatztherapie in den Wechseljahren der Frau kann heute durch die Bestimmung genetischer Polymorphismen erfolgen.
Hormone, in erster Linie Östrogene, - die lästige Menopausebeschwerden lindern, vor Herzinfarkt oder Osteoporose schützen - haben nicht ausschließlich nur positive Wirkungen.
Daher verlangen Patientinnen in zunehmendem Maße vom Hormonspezialisten, dass die Hormonersatztherapie individuell und patientenbezogen erfolgen soll.
Der Auf- und Abbau von Hormonen wird von Enzymen verursacht, die in ihrer Aktivität durch individuelle Gene gesteuert sind.
Ein neues, zuverlässiges Instrument zur Auswahl der geeigneten, individuellen Hormonersatztherapie stellt die Analyse von Genvarianten sogenannten genetischen Polymorphismen dar. Da jeder Mensch seine individuellen Geninformationen hat, sind winzige Unterschiede in unseren Genen (Polymorphismen) keine Ausnahme, sondern völlig normal. Bei jedem von uns finden sich also individuelle Polymorphismen, die mitentscheidend dafür sind, wie unser Körper auf Hormone reagiert.
Dieses Wissen um individuelle Ausprägungsformen unserer Erbanlagen und deren Auswirkung auf den weiblichen Hormon Stoffwechsel hat es möglich gemacht, einen Gentest für eine individuelle Therapieform zu entwickeln.
Damit kann schon frühzeitig erkannt werden, welche Frauen von den positiven Aspekten der Hormonersatztherapie besonders profitieren. Umgekehrt gilt dies natürlich auch für die Erfassung von Frauen, die von den unerwünschten Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Hormonersatztherapie besonders betroffen sind.
Der Gentest analysiert 20 gynäkologisch relevante Polymorphismen, die für eine differenzierte Beratung in den vier wesentlichsten Themenbereichen der Hormonersatztherapie wichtig sind: Langzeit Östrogenbelastung, Knochenstoffwechsel, Gefäßverschluss/Herzinfarkt und Herz Kreislauf Erkrankungen.
Langzeit Östrogenbelastung: Polymorphismen geben Auskunft, wie Hormone vom Körper verarbeitet werden. Somit lassen sich Aussagen über möglicherweise erhöhte Gewebskonzentrationen (Bioverfügbarkeit) von Sexualhormonen, vor allem Östrogenen, treffen, welche in zahlreichen wissenschaftlichen Studien mit einem höheren Risiko für das Mammakarzinom in Zusammenhang gebracht werden. Diese Information ist für die Entscheidung wesentlich, ob, in welcher Form und in welcher Menge Hormone verschrieben werden sollten.
Knochenstoffwechsel: Polymorphismen zur Bestimmung eines überdurchschnittlich erhöhten Risikos für frühzeitigen Knochenabbau (Osteoporose) sind insofern sinnvoll, da diese Veranlagung durch die knochenschützende Wirkung einer Hormonersatztherapie ausgeglichen werden kann. In diesem Fall profitieren betroffene Frauen überdurchschnittlich von der Einnahme einer Hormonersatztherapie.
Gefäßverschluss/Herzinfarkt: der Gentest erlaubt auch die Identifizierung von Frauen, bei denen im Rahmen einer Hormonersatztherapie ein überdurchschnittlich erhöhtes Thrombose und Herzinfarktrisiko besteht. Bei Risikopatientinnen sollten nur bestimmte Formen einer Hormonersatztherapie verwendet oder auf Alternativpräparate zurückgegriffen werden.
Herz Kreislauf Erkrankungen: Ein weiterer Aspekt betrifft die günstigen Auswirkungen der Hormonersatztherapie auf das Herz-Kreislaufsystem. Auf Grund der Polymorphismendiagnostik können jene Frauen identifiziert werden, die ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufweisen, auf eine Hormonersatztherapie deutlich verstärkt reagieren und so von der schützenden Wirkung der Hormonersatztherapie auf das Herz -Kreislaufsystem überdurchschnittlich reagieren.
Das Testergebnis gibt Auskunft über Art und Dosis der zu verabreichenden Hormone sowie über die Dauer der Therapie.
Außerdem gibt es für die Hormonersatztherapie eine Reihe von Alternativen, die bei ungünstiger genetischer Konstellation einer klassischen Hormontherapie vorzuziehen sind. Dazu zählen unter anderem pflanzliche Östrogene (Phytoöstrogene), sowie selektive Modulatoren des Östrogenstoffwechsels. Ebenso können einfache Lifestyle Maßnahmen wie Verzicht auf Zigaretten und/oder Alkohol, mehr Sport oder Nahrungsumstellung für manche Frauen von besonderer Bedeutung sein. Die Bedeutung jener Polymorphismen ist an mehreren tausend Patientinnen in über 100 internationalen wissenschaftlichen Studien untersucht worden.
Mit einem Watte- Abnahmestäbchen wird an der Wangeninnenseite Speichel entnommen und damit Zellmaterial der Mundschleimhaut gewonnen. Es handelt sich hierbei um einen einmalig durchzuführenden Test. Die genetischen Polymorphismen und damit die Individualität sind von Geburt an gegeben und verändern sich im Laufe des Lebens nicht.
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