Sexualität und Hormone |
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Das wichtigste Sexualorgan ist das Gehirn, denn es steuert die Hormon- und Botenstoffe, und steuert damit die Lustempfindung, Erregungsgrad und den Orgasmus. Das Sexualzentrum liegt im Hypothalamus, ist nur 4 Gramm schwer, lässt aber nach einem erotischen Reiz die ganze Kette der Hormone und Botenstoffe wie Adrenalin, Noradrenalin, Oxytocin, Testosteron, Östrogen, Progesteron, Dehydroepiandrosteron, Prolaktin, Dopamin, Pherormone und Serotonin ihre speziellen Funktionen ausüben. Durch das Sexualhormon Testosteron kommt es zu einem Anstieg der sexuellen Fantasien, Masturbation, Geschlechtsverkehr und Orgasmushäufigkeit. Östrogen ist ein zentrales Hormon in der Funktion der weiblichen Sexualität. Es ist verantwortlich für die vaginale Feuchtigkeit, Dehnbarkeit und mechanische Belastbarkeit der Scheide, Empfindlichkeit und Orgasmusfähigkeit. Auch der DHEA-S Spiegel (Nebennierenrindenhormon Dehydroepiandrosteron) ist für die Libido und Orgasmusfähigkeit verantwortlich. Die Sexualität der Frau schwankt mit dem Zyklus und auch die theoretische Wahl des Sexualpartners ist zyklusabhängig. Da Lebewesen bestrebt sind, sich mit Trägern möglichst optimaler Erbanlagen zu paaren, wird von der Frau zur Eisprungzeit der breitschultrige schmalhüftige Mann mit kantigem Gesicht bevorzugt, während ausserhalb der Eisprungzeit der weichgesichtige, fürsorgliche Mann, der bessere Eigenschaften zur Aufzucht des Nachwuchses signalisiert, den Vorrang hat. Der weibliche Zyklus hat ein Östrogen- und Testosteronhoch zur
Zeit des Eisprungs. Diese Hormone regen die Sexualität stark an.
Auch das Gelbkörperhormon Progesteron steigt knapp vor dem Eisprung
an, und durch seine Wirkung fühlt sich die Frau besonders wohl.
Die Folge ist eine besondere sexuelle Bereitschaft zum Verkehr zum optimalen
Zeitpunkt für den Eintritt einer Schwangerschaft. Durch eine regelmässige Sexualität wird durch die hormonelle Aktivierung Fett reduziert, der Körper und das Aussehen bis zu 10 Jahren jünger gehalten, das Selbstbewusstsein und die Leistungsfähigkeit gestärkt, Depressionen und Ängstlichkeit vermindert. Frauen mit regelmäßigem Sexualleben erzeugen mehr Östrogen und Testosteron, wodurch Körper- und Hautzellen sich schneller erneuern und durch die vermehrte Bildung von Bindegewebs- und Kollagenfasern das Gewebe elastischer und fester wird. Hat eine Frau eine positive und wertschätzende Einstellung zu ihrem Körper, so ist sie auch zufrieden mit ihrem Sexualleben. Es ist aber nicht automatisch konform, dass ein aktives Sexualleben eine sexuelle Zufriedenheit bedeutet. Bei sexuellen Störungen ist die Abklärung des sozialen Umfeldes, der persönlichen psychischen und physischen Belastung, und der Partnerbeziehung wesentlich. Weiters gibt es kaum organische Probleme, die sich so deutlich wie
bei der sexuellen Dysfunktion in der Psyche der Frau niederschlagen.
Daher ist immer die organische Situation wie Entzündungen, Narben,
Endometriose im Genitalbereich sowie starke Harninkontinenz, Gebärmutter-und
Scheidenenkung abzuklären. Störende Faktoren der Libido sind
auch wiederkehrende oder andauernde Genital-Schmerzen im Zusammenhang
mit Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) sowie krampfartige Muskelverspannungen
am Scheideneingang beim Eindringen des Penis (Vaginismus). Weiters ist abzuklären, ob Dauermedikationen wie Antidepressiva, Sedativa, Tranquilizer, Antihypertonika nicht Ursache verminderter Libido darstellen. Auch die Antibabypille oder eine andere moderne Art der hormonellen Verhütung greift in den natürlichen Hormonhaushalt der Frau ein und kann sich sehr stark durch eine Reduzierung bis Hemmung der Libido auswirken. Der Einsatz von pflanzlichen Extrakten, meist in Asien und Südamerika
im grossen Umfang in Gebrauch wie Avena sativa, Isoflavone, Damiana,
Yams Wurzel und Dong Quai, kann die sexuelle Aktivität steigern. Prinzipiell ist die alternde Frau vollkommen im Stande, einen Orgasmus zu erreichen, besonders bei effektiver sexueller Stimulierung. Die Sensibilität des äusseren Genitales ist altersunabhängig, die Orgasmusphase der älteren Frau ist jedoch verkürzt. Die Veränderungen im Sinne einer Rückbildung der Geschlechtsorgane wird durch den Sexualhormonmangel der Menopause verursacht. Dadurch können nachhaltige Beschwerden nach einem Geschlechtsverkehr im Bereich der Scheide und der Blase bis zu 24 Stunden anhalten. Bedingt sind diese Beschwerden durch eine deutliche Verdünnung der Scheidenhaut und des Verlustes der Elastizität und Befeuchtung der Scheide. Die Scheide wird eng und trocken und die Schamlippen und Klitoris können durch Mangel an Sexualhormonen schrumpfen. Oft ist der Eingang der Scheide so verengt, das das Eindringen des männlichen Gliedes äußerste Schmerzen verursacht. Auch psychologische Ursachen sind oft ein Grund, dass Frauen keinen oder nur eingeschränkt Geschlechtsverkehr haben. Viele Frauen leben im zunehmenden Alter alleine und haben auch keine Möglichkeit, zwischengeschlechtliche Kontakte anzuknüpfen. Daraus entstehen oft Depressionen und Zurückgezogenheit und als Folge Libidoverlust und das Gefühl der Lustlosigkeit. Auch Frauen mit Familie entwickeln bei Beginn der Empty-Nest-Phase wenn die Kinder aus dem Haushalt scheiden und im Klimakterium einen vermehrten Medikamentenmissbrauch, in erster Linie von Antidepressiva, die die Psyche dämpfen und so die Sexualität weitgehend zum Erliegen bringen. Die Menopause kann aber auch als sexuelle Befreiung erlebt werden, wenn die Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft wegfällt. Das Wesentliche an der Sexualität im Alter ist aber, dass sie sich nicht von der Sexualität in früheren Lebensphasen unterscheidet, und Sexualität nicht in erster Linie als Jugendphänomen gesehen werden darf. Sexualität bedeutet auch für ältere Menschen eine besonders intime Begegnungsmöglichkeit, in der sich der Mensch finden kann. Die spezifischen Zeichen des Versiegens der Eierstockfunktion nach der Menopause können durch entsprechende allgemeine und örtliche hormonelle Substitutionstherapie (Hormone Replacement Therapie = HRT) korrigiert werden. Wesentlich dabei ist die ausgewogene Gabe sämtlicher fehlender Hormone wie Östrogene, Progesteron, Testosteron und DHEA. Nicht zu letzt spielt auch das Selbst- und Körperbild eine wichtige Rolle für die Sexualität. Sorgen um die äußere Attraktivität begleiten vor allem bei Frauen das Älterwerden und führen zur Befürchtung, sexuell nicht mehr reizvoll zu sein. Die subjektive Attraktivitätseinschätzung und das eigene Körperbild machen einen wichtigen Faktor für das sexuelle Erleben aus. Hier kann die Hormontherapie einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Erscheinungsbildes leisten. Hormone in Form Cremen können die Hautdicke, den Feuchtigkeitsgehalt und die Elastizität der gesamten Hautstruktur wieder herstellen und in hohem Masse jugendlich erhalten. Auch die gefürchtete Cellulite ist durch eine Hormonbehandlung von der Haut aus und durch systemische Zufuhr von Östrogenen, Progesteron, Androgenen und Wachstumshormon und von innen heraus sehr gut in den Griff zu bekommen. Übermässige Fettansammlung kann durch das Hormon Choriongonadotropin und das Wachstumshormon beseitigt werden. Wesentlich jedoch für die Sexualität der Frau ist ein verständnisvolles Verhältnis zu dem Partner, das auch das Besprechen von sexuellen Veränderungen beinhaltet und die Befriedung sexueller Bedürfnisse nicht nur auf den Coitus beschränkt ist, der sich oft nicht mehr in ausreichendem Maße durchführen lässt. Autor und Copyright: Primarius Univ. Prof. Dr. Erich Müller-Tyl |
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